Von Marc Timmerherm · Lesezeit ca. 8 Minuten
Du streichst einmal über Dein Pferd, und schon hängt das halbe Sommerfell an Deiner Jacke. Beim Putzen fliegen die Haare, morgens ist es frisch und mittags manchmal noch richtig warm. Der Herbst ist da. Und mit ihm die Frage, die jedes Jahr wieder auftaucht: Kann ich mein Pferd im Fellwechsel noch irgendwie unterstützen?
Ich finde die Frage absolut berechtigt. Schließlich wollen wir, dass unsere Pferde gut durch diese Zeit kommen. Im Stall wird dann über Kräuter, Öle und verschiedene Ergänzungen gesprochen. Vielleicht hast Du längst etwas gefunden, womit Du gute Erfahrungen machst. Bei Sandra und mir gehört zu diesem Blick auf das Pferd immer auch die Fütterung dazu. Was bekommt es bereits? Wie sieht die Verdauung aus? Und hat sich im Alltag gerade etwas verändert?
Genau darum geht es in diesem Beitrag. Denn zwischen einer Packung Zusatzfutter und einer passenden Versorgung liegen manchmal ein paar Fragen, die sich wirklich lohnen.
Was beim Fellwechsel eigentlich passiert
Der Wechsel zwischen Sommer- und Winterfell gehört zum natürlichen Jahresrhythmus des Pferdes. Ein wichtiger Taktgeber ist die Tageslänge. Deshalb beginnt der Aufbau des Winterfells bereits, während wir an manchen Tagen noch im T-Shirt am Stall stehen. Der Körper reagiert auf die veränderten Lichtverhältnisse und bereitet sich auf die kommende Jahreszeit vor. 1
Neues Haar braucht Baustoffe. Eine passende Versorgung mit Energie, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen gehört deshalb zur Grundlage. Entscheidend ist, was die gesamte Ration liefert. Aus fliegenden Haaren allein lässt sich weder ein bestimmter Mangel noch eine zusätzliche Menge für den Futtertrog ableiten. 2
Gleichzeitig passiert im Herbst oft mehr als nur Fellwechsel: Die Weidezeiten werden kürzer, anderes Heu kommt in die Fütterung, der Trainingsalltag verändert sich. Wer dann nur aufs Fell schaut, übersieht möglicherweise einen Teil der Situation. Gerade diese Veränderungen möchte ich mit im Blick haben.

KI-generierte Illustration
Der Darm gehört mit an den Tisch
Ein Pferd lebt von einer Fütterung, die zu seiner Verdauung passt. Im Blind- und Dickdarm helfen Mikroorganismen dabei, Pflanzenfasern zu verwerten. Dabei entstehen unter anderem kurzkettige Fettsäuren, die das Pferd als Energiequelle nutzen kann. Gutes Raufutter ist deshalb ein zentraler Bestandteil der täglichen Versorgung. 2
Dieses Zusammenspiel kann sich bei einer Futterumstellung verändern. Eine Pferdestudie untersuchte, wie abrupte Rationswechsel die Zusammensetzung der Darmmikroorganismen und den Faserabbau beeinflussen. Das ist ein guter Grund, Veränderungen der Fütterung bewusst zu planen und die Verdauung dabei zu beobachten. Es bedeutet allerdings nicht, dass der Fellwechsel selbst automatisch Kotwasser auslöst. 3
Für den Alltag heißt das: Wie viel Raufutter steht tatsächlich zur Verfügung? Wie ist seine Qualität? Gibt es längere Fresspausen? Kommt ein Pferd in der Gruppe ungestört ans Futter? Gerade bei gemeinsam gehaltenen Pferden können die Antworten sehr unterschiedlich ausfallen. Ein genauer Blick auf den Ablauf im Stall hilft häufig mehr als eine weitere Vermutung.
Bevor wir etwas ergänzen, lohnt sich der Blick auf das, was jeden Tag im Futtertrog und auf der Weide landet.
Was wir gerade bei unseren eigenen Pferden beobachten
Dass Verdauung im Stallalltag sehr konkret wird, erleben wir selbst. Unsere Ballaststoffergänzung war aufgebraucht, und unsere Pferde haben sie zwei Tage lang nicht bekommen. In dieser Zeit wurden die Pferdeäpfel wieder deutlich weicher, teilweise eher wie Kuhfladen, und es trat Kotwasser auf. Nachdem wir die Ergänzung wieder gefüttert hatten, normalisierte sich das innerhalb von ein bis zwei Tagen.
Für mich ist das eine auffällige Beobachtung. Ich sehe unsere Pferde jeden Tag und bekomme mit, wenn sich etwas verändert. Genau solche Erfahrungen bringen mich dazu, genauer hinzuschauen und unsere Fütterung weiter zu begleiten. Gleichzeitig kann ich aus diesem zeitlichen Zusammenhang allein nicht sicher sagen, welche Ursache hinter der Veränderung steckt oder ob eine längere Gabe einen dauerhaften Effekt bringen würde.
Ich erzähle Dir das, weil ich diese Fragen aus unserem eigenen Alltag kenne. Man steht vor dem Pferd, möchte etwas verbessern und versucht zu verstehen, was ihm gerade guttut. Es hilft, solche Beobachtungen festzuhalten: Was wurde gefüttert, was hat sich verändert, wie sahen die Pferdeäpfel aus? So wird aus einem Gefühl ein Verlauf, über den man gemeinsam sprechen kann.
Ballaststoffe: auf die Mischung und die Menge schauen
Wer Ballaststoffe hört, denkt wahrscheinlich zuerst an Heu. Das ist ein guter Anfang. Daneben gibt es unterschiedliche Faserarten, die von Mikroorganismen unterschiedlich umgesetzt werden. Dazu zählen beispielsweise bestimmte Oligosaccharide und andere fermentierbare Pflanzenbestandteile. Untersuchungen an Pferden zeigen, dass solche Zusätze die Zusammensetzung des Darmmikrobioms verändern können. Die Ergebnisse hängen jedoch von der Faserart, der Menge und der übrigen Fütterung ab. 4
Für eine Beratung ist das spannend: Eine gezielte Ballaststoffergänzung kann eine Frage sein, die wir uns gemeinsam ansehen. Sie ersetzt weder ausreichend Raufutter noch die Klärung wiederkehrender Verdauungsprobleme. Und ein Ergebnis aus einer Untersuchung mit einer bestimmten Faser lässt sich nicht einfach auf jede Mischung übertragen.
Sandra und ich schauen deshalb auf das einzelne Pferd. Was bekommt es bereits? Welche Veränderungen gab es? Welche Ergänzungen werden schon gegeben? Daraus lässt sich ableiten, welche Informationen noch fehlen und welche Unterstützung überhaupt infrage kommt. Gerade wenn schon mehrere Produkte im Trog landen, ist dieser Überblick wertvoll.

KI-generierte Illustration
Welche Rolle kann Omega-3 spielen?
Auch die Fettversorgung gehört zur Ration. Pferde benötigen essenzielle Fettsäuren über die Nahrung. Bei Omega-3 lohnt sich ein genauer Blick: ALA aus pflanzlichen Quellen sowie EPA und DHA sind unterschiedliche Fettsäuren. Ein Öl sollte deshalb nach seiner Zusammensetzung und der passenden Menge beurteilt werden. Für EPA und DHA gibt es auch Quellen aus Mikroalgen. Die Eignung der gesamten Rezeptur für das Pferd bleibt dabei entscheidend. 2, 8
Eine Untersuchung mit 30 Pferden verglich über 16 Wochen Leindotter-, Lein- und Rapsöl. Bei den Fellbewertungen zeigten sich Verbesserungen gegenüber dem Ausgangswert, jedoch keine Unterschiede zwischen den drei Ölen. Eine gleichzeitig untersuchte Gruppe ohne Öl gab es nicht. Die Studie ist damit ein interessanter Hinweis zum Thema Fütterung und Fellqualität, aber kein Nachweis für ein besonders wirksames Fellwechselöl. 5
Noch konkreter lässt sich untersuchen, ob eine geänderte Zufuhr im Fettsäureprofil sichtbar wird. In einer Studie mit 50 Pferden stiegen nach einer EPA- und DHA-haltigen Ergänzung die entsprechenden Fettsäurewerte im Vollblut an. Untersucht wurden Blutwerte, nicht der Erfolg einer Fellwechselbehandlung. 6
Für mich liegt darin ein sinnvoller Ansatz: Wenn wir eine Frage zur Fettsäureversorgung haben, können passende Analysen zusätzliche Informationen liefern. Ein Fettsäureprofil ist dabei ein Baustein. Es zeigt weder sämtliche Nährstoffmängel noch die Funktion von Leber und Nieren und muss mit pferdegerechten Maßstäben eingeordnet werden.
Eine gute Ergänzung beginnt mit einer konkreten Frage: Was soll sie bei diesem Pferd zur Versorgung beitragen?
Und was ist mit Leber, Nieren und den bisherigen Ergänzungen?
Vielleicht nutzt Du bereits Kräuter oder ein anderes Ergänzungsfutter für die Fellwechselzeit. Das gehört in das gemeinsame Gespräch genauso hinein wie Heu und Mineralfutter. Unterschiedliche Produkte können sehr verschiedene Inhaltsstoffe und Zwecke haben. Deshalb prüfen wir, was bereits abgedeckt ist und wo sich Mengen möglicherweise überschneiden.
Leber und Nieren übernehmen wichtige Aufgaben im Stoffwechsel. Der normale Fellwechsel allein belegt aber keine Erkrankung dieser Organe und keinen Bedarf an einer Entgiftungskur. Wenn entsprechende Auffälligkeiten bestehen, gehört ihre Abklärung in die behandelnde Praxis. Für viele Ergänzungen zur Unterstützung einer erkrankten Leber ist die Studienlage beim Pferd zudem begrenzt. 7
Unser Beitrag kann darin liegen, die Versorgung verständlich zu ordnen: Raufutter, Mineralstoffe, Fettsäuren und gegebenenfalls ausgewählte Fasern. Das funktioniert am besten, wenn bekannt ist, was schon gefüttert wird. So kann man ergänzende Möglichkeiten besprechen, ohne wahllos Produkte miteinander zu kombinieren.
So wird aus dem Fellwechsel ein guter Anlass zum Hinschauen
Du brauchst dafür zunächst keine komplizierte Tabelle. Notiere für einige Tage, welches Futter und welche Ergänzungen Dein Pferd bekommt, möglichst mit Mengen. Halte fest, ob sich Heu, Weidezeit oder Bewegung verändert haben. Beobachte Appetit, Körperzustand, Fell und Pferdeäpfel. Ein Foto kann helfen, Veränderungen später genauer zu vergleichen.
Wenn Kotwasser immer wieder auftritt, das Pferd abnimmt oder deutlich weniger frisst, sollte die Ursache tierärztlich geklärt werden. Bei Kolikzeichen oder wässrigem Durchfall ist zeitnah tierärztliche Hilfe wichtig. Solche Veränderungen sollten wir nicht einfach mit der Jahreszeit erklären.

KI-generierte Illustration
Mit Deinen Beobachtungen können Sandra und ich dann gemeinsam auf die Fütterung schauen. Welche Frage steht im Vordergrund? Lohnt sich eine genauere Rationsprüfung? Kann ein Fettsäureprofil etwas beitragen? Welche Ergänzung passt zum Pferd und zu dem, was es bereits bekommt?
Vielleicht brauchst Du vor allem einen verständlichen Überblick. Vielleicht ergibt sich daraus eine gezielte Unterstützung. Genau dafür ist ein persönliches Gespräch da. Schreib uns im Kontaktformular, was Dich bei Deinem Pferd gerade beschäftigt. Dann schauen wir gemeinsam, wie wir Euch sinnvoll begleiten können.

