Von Marc Timmerherm · Lesezeit ca. 6 Minuten
Vor Kurzem durfte ich zu genau diesem Thema vor Fachpublikum einen Vortrag halten. Und weil die Rückmeldungen darauf ziemlich deutlich gezeigt haben, wie viele Pferdehalter sich mit Kotwasser, weichem Kot, Stoffwechselproblemen und einer scheinbar schlechten Nährstoffverwertung herumschlagen, möchte ich die wichtigsten Gedanken auch hier weitergeben.
Denn genau diese Themen haben uns mit Spirit und Valea selbst jahrelang beschäftigt.
Spirit hatte über vier Jahre praktisch nie wirklich schöne Pferdeäpfel. Mal weich, mal unförmig, dazu immer wieder Kotwasser und Aufgasungen. Gleichzeitig nahm sie extrem schnell zu. Lange Weidezeiten waren deshalb schwierig, weil wir sowohl wegen des Darms als auch wegen des Gewichts sehr genau hinschauen mussten.
Und irgendwann gewöhnt man sich fast daran.
„Spirit ist halt so.“
Heute weiß ich: Nur weil etwas lange besteht, bedeutet es nicht, dass es der normale Zustand dieses Pferdes sein muss.
Mittlerweile steht Spirit den ganzen Tag auf der Weide, hat weitgehend freien Zugang zu Heu, produziert vernünftig geformte Äppel, das Kotwasser ist verschwunden – und sie beginnt sogar abzunehmen. Gleichzeitig wirkt sie fitter und insgesamt harmonischer.
Das hat unsere Sicht auf Darm und Stoffwechsel ziemlich verändert.
Der Darm ist mehr als Kotwasser und Pferdeäpfel

Natürlich zeigt sich ein Darmproblem häufig zuerst genau dort: weicher Kot, Kotwasser, Aufgasungen, Durchfall oder wiederkehrende Verdauungsprobleme.
Aber der Darm kann wesentlich mehr.
Hier wird Nahrung verarbeitet, Nährstoffe werden verfügbar gemacht und unzählige Mikroorganismen arbeiten daran mit, dass das Pferd überhaupt aus seiner Nahrung das machen kann, was sein Körper braucht.
Deshalb reicht mir heute bei Kotwasser die Frage „Was kann ich dagegen geben?“ nicht mehr.
Ich möchte wissen:
Wie wird gefüttert? Wie ist die Heuqualität? Wie viel Bewegung hat das Pferd? Wie hoch ist der Stress? Passt die Herde? Gibt es lange Fresspausen? Wie sieht der Stoffwechsel aus? Und wie gut können Nährstoffe überhaupt genutzt werden?
Denn Pferdegesundheit funktioniert auch hier nur ganzheitlich.
Warum unterschiedliche Ballaststoffe sinnvoll sein können
Wir arbeiten heute ergänzend mit einer Mischung aus verschiedenen pflanzlichen Ballaststoffen.
Den Produktnamen lasse ich bewusst weg, denn entscheidend ist nicht die Dose, sondern das Prinzip.
Die Mischung enthält acht unterschiedliche pflanzliche Ballaststoffquellen. Einige Fasern binden Wasser und können dadurch Kotkonsistenz und Verdauung unterstützen. Andere dienen Darmbakterien als Nahrung, wieder andere werden langsamer verarbeitet.

Genau diese Mischung finde ich spannend, weil der Darm eben ebenfalls nicht nur aus einem einzigen Prozess besteht.
Ein Teil der Fasern unterstützt eher die mechanische Seite – also Transport und Kotbildung. Andere Fasern gelangen weiter in den Darm und werden dort von Mikroorganismen fermentiert.
Bei Spirit war die Veränderung für uns deutlich: Die Äppel wurden normal, das Kotwasser verschwand und auch das massive Aufgasen nahm ab. Schon in meinem Vortrag habe ich beschrieben, dass sie früher nach wenigen Stunden Weide teilweise stark aufgegast herunterkam und später deutlich längere Weidezeiten problemlos möglich waren.
Heute geht das noch deutlich weiter.
Warum wir nicht nur gefüttert, sondern auch getestet haben
Der für uns entscheidende Unterschied war aber: Wir haben nicht nur ausprobiert.
Wir haben getestet.
Neben klassischen Blutanalysen haben wir bei unseren Pferden auch weitere Analysen durchführen lassen und die Ergebnisse von Fachleuten aus unserem Team auswerten lassen.
Gerade bei Valea war das enorm aufschlussreich.
In ihrer Haaranalyse wurde uns unter anderem ausgewertet, dass es deutliche Auffälligkeiten bei der Verwertung von Aminosäuren gab. Genau das passte zu dem, was wir ohnehin gesehen hatten: Trotz gezielter Versorgung war der Muskelaufbau lange nicht so, wie wir ihn erwartet hätten.
Das war für uns der Punkt, an dem wir nicht mehr gefragt haben:
„Braucht sie noch mehr Aminosäuren?“
Sondern:
„Warum kommen die Nährstoffe offenbar nicht dort an, wo sie gebraucht werden?“

Wir haben daraufhin den Darm gezielt unterstützt und gleichzeitig die Omega-3-Versorgung angepasst.
Und seitdem hat sich Valea deutlich verändert.
Der Kot stabilisierte sich, das Kotwasser verschwand und auch im Muskelaufbau sehen wir mittlerweile eine ganz andere Entwicklung. Gleichzeitig wirkt sie fitter, mutiger und insgesamt deutlich balancierter.
Wichtig ist mir dabei: Das ist unsere Beobachtung aus der Kombination aus Analyse, Fütterungsanpassung, Darmunterstützung, Omega-3, Haltung und Training.
Nicht ein einzelnes Mittel hat „Valea repariert“.
Es war das Gesamtbild.
Darm, Zellen und Nährstoffversorgung gehören zusammen
Omega-3 spielt für uns dabei eine weitere wichtige Rolle.
Fettsäuren sind Bestandteile der Zellmembranen. In den vorliegenden Testunterlagen wird beschrieben, dass die Zusammensetzung dieser Membranen ihre Fluidität beeinflusst und damit auch Aufnahme-, Abgabe- und Kommunikationsprozesse der Zelle.
Genau deshalb betrachten wir Darmgesundheit und Fettsäureversorgung heute nicht mehr getrennt voneinander.
Vereinfacht gesagt: Es reicht nicht, hochwertige Nährstoffe vorne ins Pferd zu geben. Der Organismus muss auch in der Lage sein, sie sinnvoll zu verarbeiten und zu nutzen.
Und wenn Analysen Hinweise darauf geben, dass genau dort etwas nicht passt, kann man wesentlich gezielter arbeiten als mit dem nächsten Eimer auf Verdacht.
Auch hier gilt: Gesundheit entsteht nicht nur im Futtersack
Trotzdem wäre es falsch, jetzt alles auf Darm oder Nahrungsergänzung zu reduzieren.
Ein Pferd, das sich kaum bewegt, hat andere Voraussetzungen als ein Pferd mit viel freier Bewegung. Ein chronisch gestresstes Pferd funktioniert anders als ein Pferd in einer passenden Herde. Und Muskelaufbau entsteht natürlich nicht dadurch, dass Aminosäuren im Futter liegen – der Körper braucht auch korrektes Training und passende Belastungsreize.
Deshalb gehören für uns auf der Timmerherm Ranch immer mehrere Bereiche zusammen:
Haltung, Training, Bewegung, Stress, Fütterung, Darmgesundheit, Nährstoffversorgung und – wenn sinnvoll – objektive Messwerte.
Spirit und Valea haben uns genau das beigebracht.

Wenn Kotwasser verschwindet, ist das schön – aber es ist nicht die ganze Geschichte
Natürlich freue ich mich heute über vernünftige Pferdeäpfel. Nach Jahren mit Kotwasser entwickelt man dafür tatsächlich eine gewisse Begeisterungsfähigkeit.
Aber heute schaue ich weiter.
Wie entwickelt sich das Gewicht? Wie ist die Muskulatur? Wie fit ist das Pferd? Wie reagiert es auf Weide, Belastung oder Stress? Wie gut regeneriert es?
Denn ein gesunder Darm zeigt sich für mich nicht nur am Kot.
Manchmal verändert sich mit ihm das ganze Pferd.
Und genau deshalb würde ich heute bei langjährigen Darmproblemen nicht einfach nur versuchen, das sichtbare Symptom wegzubekommen.
Ich würde versuchen zu verstehen, warum der Körper dieses Pferdes gerade so reagiert.
Und wenn wir dafür Beobachtung, Haltung, Training, Fütterung und gezielte Analysen zusammenbringen, haben wir wesentlich mehr in der Hand als bloß den nächsten Versuch mit irgendeinem neuen Pulver.

