Von Marc Timmerherm · Lesezeit ca. 8 Minuten
Du putzt Dein Pferd, und neben der Sattelkammer kratzt sich Dein Hund schon wieder. Kurz darauf knabbert er an seinen Pfoten. Auf dem Heimweg wird geleckt, abends auf dem Teppich geht es weiter. Irgendwann fragst Du Dich: Ist das eigentlich noch normal?
Unsere Hunde gehören für viele von uns ganz selbstverständlich zum Pferdealltag. Sie warten am Paddock, begleiten uns über den Hof und finden ihren Platz zwischen Putzkiste und Stalltasche. Bei Sandra und mir gehören Benny und Nala dazu. Deshalb möchte ich hier auch auf ihre Artgenossen schauen: auf Hunde, deren Haut einfach nicht zur Ruhe kommt.
Denn dauerndes Kratzen geht schnell im Alltag unter. Bis die erste kahle Stelle auffällt. Oder bis man merkt, wie oft der Hund seinen Schlaf unterbricht. Dann stehen plötzlich verschiedene Futterbeutel, Öle und Pflegemittel im Schrank. Alles gut gemeint. Aber was davon passt wirklich zusammen?
Genau darüber möchte ich sprechen. Über aufmerksames Hinsehen, die Versorgung der Haut und darüber, welche Rolle Omega-3 bei bestimmten Hautproblemen spielen kann.
Wann Kratzen einen zweiten Blick verdient
Einmal kurz kratzen macht noch kein Hautproblem. Wenn Dein Hund aber immer wieder dieselben Stellen bearbeitet, seine Pfoten ausgiebig beleckt oder sich wund kratzt, lohnt sich eine genauere Abklärung. Juckreiz kann unterschiedliche Ursachen haben: beispielsweise Parasiten, allergische Erkrankungen oder Infektionen der Haut. Aus dem Kratzen allein lässt sich die Ursache nicht erkennen. 1
Auch „Ich sehe keine Flöhe“ klärt die Frage noch nicht abschließend. Ebenso wenig bedeutet Pfotenlecken automatisch, dass das Futter schuld ist. Die tierärztliche Untersuchung hilft, die Möglichkeiten Schritt für Schritt einzugrenzen. Bei offenen, nässenden oder schmerzhaften Stellen solltest Du damit nicht warten. 1
Für das Gespräch ist Deine Beobachtung wertvoll. Seit wann fällt es auf? Wo kratzt oder leckt sich Dein Hund? Ist es draußen anders als zu Hause? Hat sich etwas an Futter, Pflege oder Umgebung geändert? Solche Angaben sind greifbarer als „Er kratzt sich irgendwie viel“.
Dein Hund kann Dir nicht erklären, was ihn juckt. Aber Du kannst seine Signale ernst nehmen und helfen, die richtigen Fragen zu stellen.
Unter dem Fell liegt eine Schutzschicht
Wenn wir an Haut denken, sehen wir meistens Fell, vielleicht etwas Schuppen oder eine gerötete Stelle. Die entscheidende Arbeit passiert aber auch dort, wo wir nicht direkt hinschauen können.
Die äußere Hautschicht lässt sich vereinfacht mit einer Mauer vergleichen: Hautzellen bilden die Bausteine, dazwischen liegen Lipide, also fettartige Stoffe. Gemeinsam tragen sie dazu bei, Wasser in der Haut zu halten und Einflüsse von außen abzuwehren. Bei Hunden mit atopischer Dermatitis, einer allergisch bedingten entzündlichen Hauterkrankung, kann diese Schutzfunktion gestört sein. Das Zusammenspiel von Hautbarriere, Immunsystem und Umwelt ist dabei komplex. 2

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Ernährung gehört deshalb mit ins Bild. Die Haut braucht eine angemessene Versorgung mit Nährstoffen. Zu den wichtigen Fettsäuren gehört auch Linolsäure aus der Omega-6-Familie. Omega-6 pauschal zum Gegner zu erklären, würde gerade bei der Haut zu kurz greifen. EPA und DHA aus der Omega-3-Familie spielen wiederum unter anderem bei entzündlichen Vorgängen eine Rolle. Ihre Aufgaben sind nicht einfach austauschbar. 2
Für mich führt das zu einer praktischen Frage: Was bekommt dieser Hund bereits, und was könnte in seiner konkreten Situation sinnvoll ergänzt werden? Die Antwort steckt weder allein im Fellglanz noch in einem besonders überzeugenden Etikett.
Omega-3 bei Juckreiz: Was wurde wirklich untersucht?
Mich interessiert, ob eine Idee auch bei Hunden untersucht wurde. Dass eine Fettsäure irgendwo im Körper eine Funktion hat, sagt schließlich noch nicht, wie viel ein bestimmter Hund von einer zusätzlichen Gabe hat.
Eine Studie von 2024 untersuchte 22 Hunde mit festgestellter atopischer Dermatitis. Sie bekamen bereits ein Medikament gegen Juckreiz. Über 16 Wochen wurde zusätzlich ein bestimmtes EPA- und DHA-haltiges Öl mit einem Placebo verglichen. Die Untersuchung war randomisiert und doppelblind angelegt. 3
In der Ergänzungsgruppe sank die benötigte Medikamentenmenge im Verlauf; am Ende war auch der von den Haltern bewertete Juckreiz geringer als in der Vergleichsgruppe. Bei der tierärztlichen Bewertung der Hautveränderungen zeigte sich dagegen kein entsprechender Unterschied. Das ist ein interessanter Hinweis auf ergänzenden Nutzen, kein Beleg dafür, dass Öl jede juckende Haut behandelt. 3
Die Studie war klein und wurde vom Anbieter des untersuchten Präparats finanziert. Untersucht wurde dieses konkrete Präparat zusätzlich zu einer bestehenden Behandlung – nicht unser Öl und nicht jeder Hund, der sich kratzt. Medikamente werden deshalb auch nicht eigenständig reduziert. 3
Trotz dieser Grenzen finde ich den Ansatz relevant. Denn es geht um eine Frage, die viele Halter beschäftigt: Was kann ich neben der notwendigen Behandlung noch sinnvoll für die Versorgung meines Hundes tun?
Eine sinnvolle Ergänzung hat einen nachvollziehbaren Platz im Gesamtplan: Wir wissen, warum wir sie auswählen, was wir beobachten und wann wir den Verlauf besprechen.
Was ist schon im Napf?
Vielleicht fütterst Du ein Alleinfuttermittel, das bereits bestimmte Fettsäuren liefert. Vielleicht bekommt Dein Hund zusätzlich ein Hautprodukt, ein Öl und zwischendurch verschiedene Leckerchen. Für eine Beratung möchte ich diese Dinge gemeinsam anschauen.
Das muss kein kompliziertes Projekt werden. Fotos der vollständigen Etiketten und eine ehrliche Liste der täglichen Mengen helfen schon weiter. Auch das, was Dein Hund am Stall nebenbei bekommt, gehört dazu. Nicht als Vorwurf – sondern damit wir über dieselbe tatsächliche Fütterung sprechen.

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Bei einem Omega-3-Öl zählt die Menge an EPA und DHA pro Portion. „Ein Teelöffel“ beschreibt zunächst nur die Ölmenge. Dazu kommen die vollständige Rezeptur, mögliche weitere zugesetzte Nährstoffe, die bisherige Versorgung und die Verträglichkeit. Eine Dosierung für Menschen übernehmen wir nicht einfach für einen Hund.
Auch eine geeignete Quelle aus Mikroalgen kann bei der Produktauswahl berücksichtigt werden. Entscheidend bleibt, was die konkrete Rezeptur liefert und ob sie zum Hund passt. Aus der Herkunft allein folgt kein Wirksamkeitsnachweis bei Juckreiz.
Sandra und ich möchten genau an diesem Punkt helfen: die Informationen sortieren, eine passende Ergänzung prüfen und die individuelle Anwendung mit Dir besprechen. Es geht nicht darum, möglichst viele Flaschen nebeneinanderzustellen. Es geht darum, dass Du verstehst, warum etwas in den Napf kommt.
Wenn gerade eine tierärztlich begleitete Ausschlussdiät läuft, müssen auch Öle, Leckerchen und andere Ergänzungen vorher abgestimmt werden. Sonst kann ein zusätzliches Produkt die Aussagekraft der Diät beeinträchtigen. 1
Und was kann ein Fettsäuretest beitragen?
Ein Fettsäureprofil kann die Frage nach den gemessenen Fettsäuren im untersuchten Blutmaterial beantworten. Ob eine Analyse für Deinen Hund sinnvoll und geeignet ist, welche Vergleichswerte verwendet werden und was sich daraus ableiten lässt, gehört in ein persönliches Gespräch.
Ein solches Profil ist kein Allergietest. Es zeigt nicht, ob Dein Hund auf ein bestimmtes Futter oder auf Umweltallergene reagiert, und erklärt auch nicht automatisch seinen Juckreiz. Menschliche Zielwerte sind kein Maßstab, den wir ungeprüft auf Hunde übertragen können.
Wenn Du seine Versorgung genauer kennenlernen möchtest, kannst Du uns darauf ansprechen. Wir klären dann, welche Frage Du beantworten möchtest und ob eine passende Analyse dabei wirklich weiterhilft. Der Ausgangspunkt bleibt Dein Hund mit seiner Vorgeschichte, seiner Fütterung und dem, was bereits untersucht wurde.
Kleine Notizen können viel Klarheit schaffen
Für den Alltag würde ich es einfach halten: Notiere kurz, wo und wie häufig sich Dein Hund kratzt, ob er nachts zur Ruhe kommt und ob sich Hautstellen verändern. Fotos bei ähnlichem Licht können beim späteren Vergleich helfen. Schreib auch auf, wann Futter, Pflege, Ergänzungen oder Medikamente verändert wurden.
So entsteht nach und nach ein nachvollziehbarer Verlauf. Wenn mehrere Dinge gleichzeitig geändert wurden, lässt sich eine Verbesserung nicht ehrlich einer einzigen Flasche zuschreiben. Trotzdem ist es wertvoll zu sehen, wie es Deinem Hund insgesamt geht und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.

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Ich finde, genau dieser aufmerksame Blick verbindet Pferde- und Hundemenschen. Wir kennen unsere Tiere im Alltag. Wir merken, wenn etwas anders ist. Dieses Wissen darf im Gespräch seinen Platz haben – zusammen mit einer vernünftigen Untersuchung und einer sorgfältig betrachteten Versorgung.
Dein Hund gehört dazu. Seine Hautgesundheit auch.
Vielleicht ist die Ursache schon bekannt, und Du suchst eine passende ernährungsbezogene Ergänzung. Vielleicht stehen zu Hause inzwischen drei angebrochene Produkte, und Du möchtest endlich wissen, was davon überhaupt zusammenpasst.
Dann schreib Sandra und mir. Erzähl uns, was Dir auffällt, was bereits abgeklärt wurde und welches Futter und welche Ergänzungen Dein Hund bekommt. Gemeinsam schauen wir, ob und wie eine gezielte Fettsäureversorgung seine Begleitung sinnvoll ergänzen kann.
Du musst die passende Zusammensetzung und Menge nicht aus widersprüchlichen Tipps zusammensuchen. Genau darüber können wir miteinander sprechen. Damit aus gut gemeint ein verständlicher, auf Deinen Hund abgestimmter nächster Schritt wird.

