Von Marc Timmerherm · Lesezeit ca. 7 Minuten
In letzter Zeit begegnen mir bei Social Media immer wieder Beiträge über Hunde, die ständig etwas ablecken: den Boden, die Couch, Möbel oder ihre Pfoten. Häufig fällt dabei das Wort Sodbrennen.
Dieses Mal bin ich hängen geblieben. Denn wir kennen dieses Verhalten von unserem eigenen Hund Benny.
Besonders nach dem Fressen ging es los. Aber auch unabhängig von den Mahlzeiten wurden die Couch und andere Gegenstände ausdauernd abgeleckt. Irgendwann schaut man dann doch genauer hin. Warum macht er das? Ist das eine Angewohnheit? Schmeckt dort irgendetwas interessant? Oder versucht er gerade, mit einem unangenehmen Gefühl umzugehen?
Wir haben vor Kurzem begonnen, auch ihn mit einem Omega-3-Öl zu versorgen, wie wir es bereits bei unseren anderen Tieren machen. Was uns überrascht hat: In den ersten drei Tagen hörte das ständige Ablecken der Gegenstände auf. Er wirkte auf uns außerdem deutlich zufriedener.
Das ist zunächst unsere persönliche Beobachtung. Ob das Öl dafür verantwortlich ist und was das Lecken ursprünglich ausgelöst hat, wissen wir damit noch nicht. Aber es war für mich der Anlass, genauer hinzuschauen.
Und dabei bin ich auf eine interessante Untersuchung gestoßen.
Wenn aus gelegentlichem Lecken ein ständiger Begleiter wird
Ein Hund erkundet seine Umwelt auch mit der Zunge. Einmal über eine interessante Stelle zu lecken, muss deshalb noch nichts Besonderes bedeuten.
Anders fühlt es sich an, wenn das Verhalten immer wieder auftritt, lange anhält oder den Hund kaum zur Ruhe kommen lässt. Wenn Du abends neben ihm sitzt und nach kurzer Zeit schon wieder dieses gleichmäßige Schlecken hörst. Wenn nicht nur der Napf, sondern auch Teppich, Decke und Sofakante dazugehören.
Dann lohnt sich die Frage, was dahintersteckt.
Dabei hilft es, zunächst ganz genau zu beobachten: Leckt Dein Hund Gegenstände ab? Schmatzt oder schluckt er auffällig? Oder bearbeitet er vor allem seine eigenen Pfoten?
Für uns sieht das schnell nach demselben Problem aus. Es können aber unterschiedliche Dinge dahinterstehen.
Nicht jedes Lecken bedeutet Sodbrennen. Wiederkehrendes, auffälliges Lecken verdient trotzdem Aufmerksamkeit.

KI-generierte Illustration
Was Möbelablecken mit dem Magen und Darm zu tun haben kann
Eine kleine klinische Studie untersuchte 19 Hunde, die übermäßig häufig Oberflächen ableckten. Bei 14 von ihnen wurden Auffälligkeiten im Magen-Darm-Trakt festgestellt. Dazu gehörten unterschiedliche Erkrankungen, nicht nur eine mögliche Refluxproblematik. Nach einer individuell angepassten Behandlung verschwand das übermäßige Lecken bei neun von 17 nachverfolgten Hunden vollständig. 1
Das finde ich bemerkenswert. Es zeigt, weshalb wir ein solches Verhalten nicht vorschnell als Marotte abtun sollten.
Die Untersuchung sagt allerdings nicht, dass jeder Hund, der die Couch ableckt, magenkrank ist. Und sie hat auch nicht untersucht, ob Omega-3-Öl das Lecken beendet. Ihr wichtiger Hinweis ist ein anderer: Hinter einem auffälligen Verhalten kann körperliches Unwohlsein stecken.
Unser Hund kann uns nicht sagen: „Nach dem Essen fühlt sich etwas unangenehm an.“ Wir sehen zunächst nur, was er tut.
Ist das nun Sodbrennen?
Bei Reflux fließt Mageninhalt zurück in die Speiseröhre. Das kann deren Schleimhaut reizen und entzünden. Beim Menschen kennen wir das brennende Gefühl häufig aus eigener Erfahrung. Beim Hund können wir dieses Empfinden nicht direkt erfragen.
Mögliche Auffälligkeiten sind beispielsweise wiederholtes Schlucken, Speicheln, Beschwerden beim Fressen oder das Zurücklaufen von Futter. Welche Ursache dahintersteckt, lässt sich aus einem einzelnen Verhalten nicht sicher erkennen. 2
Auch wenn das Lecken besonders nach dem Fressen beginnt, ist das zunächst ein hilfreicher Hinweis für die Untersuchung, noch keine Diagnose.
Deshalb wäre mir die Aussage „Dein Hund leckt den Boden, also hat er zu viel Magensäure“ zu einfach. Wir brauchen einen Blick auf das gesamte Bild: Wann passiert es? Wie frisst der Hund? Gibt es weitere Veränderungen? Und was wurde bereits untersucht?
Und warum leckt er auch die Pfoten?
Pfotenlecken kann unter anderem mit Juckreiz, Allergien, einer Verletzung oder Schmerzen zusammenhängen. Auch Verhaltensfaktoren können eine Rolle spielen. Körperliche Ursachen sollten dabei berücksichtigt werden. 3
Es lohnt sich deshalb, die Pfoten anzusehen: Ist die Haut gerötet? Gibt es eine wunde Stelle? Wird immer dieselbe Pfote bearbeitet?
Bei Benny fiel uns beides auf: das Ablecken von Gegenständen und das Lecken an den Pfoten. Daraus kann ich aber nicht ableiten, dass beides dieselbe Ursache hatte.
Über Juckreiz, Haut und Fütterung haben wir bereits in einem eigenen Beitrag gesprochen, den Du unten verlinkt findest. Hier interessiert mich besonders das ausdauernde Ablecken von Gegenständen und die Frage, ob dabei Magen und Darm Aufmerksamkeit brauchen.
Unsere Beobachtung mit dem Omega-3-Öl
Dass Benny nach Beginn der Ölzugabe aufgehört hat, ständig Gegenstände abzulecken, hat uns gefreut. Natürlich fragt man sich dann sofort, ob man gerade etwas gefunden hat, das ihm guttut.
Diese Erfahrung möchte ich erzählen. Ich möchte ihr aber keine Erklärung geben, die wir noch gar nicht kennen.
Drei Tage sind eine erste Beobachtung. Beschwerden können schwanken, und mehrere Einflüsse können zusammenkommen. Für das Öl als Behandlung gegen Sodbrennen oder dieses Leckverhalten habe ich bislang keinen belastbaren Wirksamkeitsnachweis gefunden.
Deshalb schauen wir weiter hin: Bleibt er ruhiger? Kommt das Lecken wieder? Gibt es einen Zusammenhang mit bestimmten Mahlzeiten oder Situationen?
Für eine individuelle Ernährungsbegleitung sind solche Beobachtungen wertvoll. Sie helfen dabei, bessere Fragen zu stellen und Veränderungen nachvollziehbar zu beurteilen.
Eine Erfahrung darf der Anfang einer Frage sein. Sie muss nicht sofort die fertige Antwort liefern.
Unser nächster Schritt: Bennys Fettsäureversorgung anschauen
Wir möchten Benny jetzt zusätzlich mit einem Bluttest untersuchen lassen, der sein Fettsäureprofil erfasst. Uns interessiert, wie sich seine Versorgung mit Fettsäuren wie EPA und DHA darstellt und ob wir bei der Fütterung oder Ergänzung später gezielt nachsteuern sollten.
Untersuchungen an Hunden zeigen, dass sich Veränderungen der Fettsäurezufuhr im Blut widerspiegeln können. Genau dort soll uns die Analyse weiterhelfen: bei der Einordnung seiner Ernährung. 5
Weil Benny das Öl bereits bekommt, ist diese erste Messung kein Ausgangswert vor Beginn der Ergänzung. Wir halten deshalb auch fest, seit wann und in welcher Menge er es bekommt. Die Blutentnahme und eine für Hunde passende Auswertung stimmen wir tierärztlich ab.
Das Fettsäureprofil zeigt uns nicht, ob Benny Sodbrennen hat, und erfasst auch nicht seine gesamte Nährstoffversorgung. Zusammen mit seiner Fütterung und unseren Beobachtungen kann es aber einen weiteren Baustein liefern. Eine spätere, vergleichbare Messung kann dann zeigen, wie sich sein Profil entwickelt hat – ohne damit automatisch zu beweisen, warum das Lecken aufgehört hat.

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Könnten auch Ballaststoffe eine Rolle spielen?
Mit dem Blick auf den Darm stellt sich eine weitere Frage: Welche Fasern bekommt der Hund bereits über sein Futter, und könnte eine passende Ergänzung sinnvoll sein?
Bestimmte Ballaststoffe können beispielsweise bei ausgewählten Dickdarmproblemen Teil der Fütterungsstrategie sein. Entscheidend sind die Art der Beschwerden, die Faserquelle und die gesamte Ration. 4
Bei Benny haben wir eine zusätzliche Ballaststoffmischung bisher nicht ausprobiert. Dazu gibt es also noch keine eigene Erfahrung, von der ich berichten könnte.
Und auch hier gilt: Mehr ist nicht automatisch hilfreicher. Bei einer refluxbedingten Speiseröhrenentzündung kann eine fett- und ballaststoffarme Fütterung sinnvoll sein. 2 Ein Zusatz, der bei einem Darmproblem passt, muss deshalb nicht die richtige Antwort auf vermutetes Sodbrennen sein. Auch zusätzliches Öl sollte bei solchen Beschwerden zur individuellen Fütterung passen.
Für uns bleibt das zunächst eine Frage, die wir bei Bedarf gezielt prüfen möchten. Gerade weil das Lecken aktuell aufgehört hat, möchten wir Veränderungen nachvollziehen können.
Was Du für Deinen Hund festhalten kannst
Du musst kein aufwendiges Tagebuch führen. Ein paar kurze Notizen können schon helfen:
- Wann beginnt das Lecken – vor dem Fressen, danach oder unabhängig davon?
- Was wird abgeleckt: Gegenstände, der eigene Körper oder beides?
- Was bekommt Dein Hund tatsächlich, einschließlich Leckerchen und Ergänzungen?
- Fallen zusätzlich Schmatzen, Aufstoßen, Erbrechen, veränderter Kot oder weniger Appetit auf?
- Kann er gut schlafen und entspannen?
Ein kurzes Video kann ebenfalls hilfreich sein, wenn das Verhalten beim Untersuchungstermin gerade nicht auftritt.
Wiederkehrende Beschwerden gehören tierärztlich eingeordnet. Bei wiederholtem Erbrechen, deutlichen Schmerzen oder Schluckbeschwerden solltest Du zeitnah die Praxis kontaktieren.

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Gemeinsam genauer hinschauen
Mich beschäftigt an unserer Erfahrung vor allem, wie leicht wir uns an ein Verhalten gewöhnen können. Der Hund schleckt eben wieder die Couch. Irgendwann gehört dieses Geräusch fast schon zum Abend dazu.
Dabei lohnt es sich manchmal, genau dort noch einmal hinzusehen.
Wenn Du ähnliche Beobachtungen machst und unsicher bist, wie Futter, Ergänzungen und Alltag zusammenpassen, schreib uns. Erzähl kurz, was Dir auffällt und was bereits abgeklärt wurde.
Dann können wir gemeinsam schauen, welche Fragen zur Ernährung offen sind und ob unsere Begleitung für Euch sinnvoll ist. Eine Ergänzung bekommt dabei eine konkrete Aufgabe – passend zu Deinem Hund und seiner bisherigen Versorgung.
Benny hat uns jedenfalls wieder einen Anlass gegeben, aufmerksam zu bleiben. Und ich bin gespannt, wie sich unsere Beobachtung weiterentwickelt.

