Pferd auf einem geräumten Weg in winterlicher Landschaft.

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Arthrose beim Pferd im Winter: Was den Alltag leichter machen kann

Sichere Bewegung, ein passendes Umfeld und bewusste Fütterung: Wie Du Dein Pferd durch die kalten Monate begleiten kannst.

KI-generierte Illustration

Von Sandra Timmerherm · Lesezeit ca. 9 Minuten

Du kommst morgens an den Stall. Es ist kalt, der Boden hart, und Dein Pferd setzt die ersten Schritte vorsichtiger als sonst. Vielleicht weißt Du bereits, dass es Arthrose hat. Vielleicht hörst Du den Satz: „Im Winter ist das eben so.“ Mich würde das allein nicht beruhigen. Ich möchte wissen, was wir im Alltag so gestalten können, dass dieses Pferd möglichst gut durch die kalten Monate kommt.

Dabei denke ich nicht zuerst an einen neuen Futterzusatz. Ich denke an den Weg zur Raufe, an die Stunden zwischen den Besuchen und daran, ob ein Pferd seinen Ruheplatz wirklich gern nutzt. Und dann natürlich auch an die Fütterung. Denn ein Winterplan besteht aus mehr als dem, was wir abends in den Trog geben.

In unserem Beitrag über wiederkehrende Lahmheit ging es um das genaue Hinschauen bei Gelenken und Muskulatur. Hier möchte ich mit Dir einen Schritt weitergehen: Wie lässt sich der Winteralltag bei bereits festgestellter Arthrose sinnvoll organisieren?

Nicht jede Steifheit ist einfach das Wetter

Arthrose betrifft das gesamte Gelenk. Veränderungen an Knorpel und anderen Gelenkstrukturen können mit Entzündung, Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit zusammenhängen. Wie deutlich sich das zeigt, ist von Pferd zu Pferd verschieden. Eine veränderte Bewegung sollte deshalb nicht allein wegen der Jahreszeit als normal abgehakt werden. 1

Wenn ein Pferd im Winter schlechter läuft, lohnt sich der Blick auf alles, was sich verändert hat: mehr Stehzeit, weniger freie Bewegung, andere Böden, eine andere Ration. Dass Kälte bei jedem Pferd zwangsläufig die Arthrose verschlimmert, lässt sich daraus nicht ableiten. Ich würde lieber die konkrete Situation beschreiben als dem Thermometer die ganze Erklärung überlassen.

Eine plötzlich deutliche Lahmheit, ein heißes oder geschwollenes Gelenk oder ein Bein, das kaum belastet wird, gehört zeitnah tierärztlich abgeklärt. Auch ein Pferd mit bekannter Arthrose kann ein zusätzliches Problem bekommen. Bitte nicht versuchen, eine solche Veränderung einfach „wegzubewegen“. 1

Ein Pferd muss nicht erst stark lahmen, damit wir seine veränderten Bewegungen ernst nehmen.

Vereinfachte Illustration eines Pferdegelenks mit Gelenkknorpel, Gelenkkapsel und Gelenkflüssigkeit.
Ein Blick ins Gelenk: Knorpel, Kapsel und Gelenkflüssigkeit gehören zum Zusammenspiel. Schematische Darstellung, keine Diagnose.
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Bewegung braucht einen passenden Rahmen

Bei chronischen Gelenkproblemen kann angepasste, regelmäßige Bewegung Bestandteil des Managements sein. Welche Belastung sinnvoll ist, hängt vom Befund und vom aktuellen Zustand ab. Die tierärztliche Empfehlung für Dein Pferd geht vor einem allgemeinen Rat aus dem Internet. 1, 2

Ich würde dabei nicht nur auf die halbe Stunde schauen, in der Du selbst am Stall bist. Was passiert in den übrigen Stunden? Kann Dein Pferd sich entspannt bewegen, oder steht es viel? Muss es durch eine enge Ecke, wenn es ans Heu möchte? Solche Fragen sind für mich ein guter Einstieg in die praktische Planung.

Für ältere Pferde empfiehlt die University of Minnesota unter anderem leichte tägliche Bewegung beziehungsweise Auslauf und ausreichend Zeit zum Aufwärmen und Abkühlen. Das ist kein Trainingsplan für einen akuten Schub. Es ist eine Orientierung für einen individuell abgestimmten Alltag. 2

Eine feste Minutenzahl würde ich Dir hier bewusst nicht versprechen. Hilfreicher ist die Absprache: Was darf mein Pferd derzeit? Woran erkenne ich Überforderung? Und was machen wir, wenn der Platz gefroren ist? Mit diesen Antworten lässt sich auch ein voller Arbeitstag besser organisieren.

Pferd in einem offenen Unterstand mit trockener Einstreu, Heu und Wasser.
Ruheplatz, Futter und Wasser sollen gut erreichbar sein.
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Bill: wieder selbst entscheiden, wohin die Schritte gehen

Ein Beispiel aus unserem Umfeld ist Bill, das Pferd unserer Freundin Jenny. Über Jenny und ihr Buch „Bodenarbeit im Baukastensystem“ haben wir hier schon geschrieben. Bill ist wegen seiner Arthrose von der Box in einen Offenstall umgezogen. Dahinter stand ein sehr konkreter Wunsch: Er sollte mehr Gelegenheit bekommen, sich frei zu bewegen.

Auf großen Weiden kann er jetzt selbst entscheiden, wann er losgeht, wo er grast und wann er wieder stehen bleibt. Diese Bewegung findet zwischen den gemeinsamen Einheiten statt. Niemand muss ihn dafür ständig führen oder anleiten. Genau dieser Unterschied ist für mich wichtig: Wir können ein Pferd bewegen – und wir können ihm einen Alltag ermöglichen, in dem es sich selbst bewegt.

Nach dem Umzug haben sich Bills arthrosebedingte Beschwerden nach unserer Beobachtung deutlich gebessert. Das bedeutet nicht, dass die Arthrose verschwunden ist oder dass jeder Offenstall für jedes Pferd passt. Es ist unsere Erfahrung mit Bill. Sie zeigt für mich sehr anschaulich, weshalb wir bei Gelenkproblemen auch auf die vielen Stunden schauen sollten, in denen kein Mensch neben dem Pferd steht.

Manchmal liegt eine wichtige Veränderung darin, dem Pferd wieder mehr eigene Schritte zu ermöglichen.

Der Weg zum Wasser gehört zum Winterplan

Eisflächen, gefrorene Unebenheiten und Schnee, der sich im Huf zusammenballt, erschweren sichere Bewegung. Die University of Minnesota rät, vereiste Bereiche zu meiden und Hufe auch im Winter regelmäßig zu kontrollieren. Wege zu Futter, Wasser und Unterstand sollten zugänglich bleiben. 3

Geh den Alltag Deines Pferdes einmal gedanklich ab: vom Ruheplatz zum Wasser, weiter zur Raufe und wieder zurück. Wo muss es ausweichen? Wo entsteht Gedränge? Wo würdest Du selbst bei Glätte ungern entlanglaufen? Das ist keine komplizierte Übung. Aber manchmal zeigt sie eine Stelle, über die man bisher einfach hinweggeguckt hat.

Ein trockener, geschützter Bereich und erreichbares, nicht gefrorenes Trinkwasser gehören ebenfalls zur Winterversorgung. Ob eine Decke nötig ist, richtet sich unter anderem nach Fell, Schur, Körperzustand und Witterung. Sie ist kein Ersatz für die Behandlung eines schmerzenden Gelenks. 3

Ich würde die Absprachen im Stall möglichst konkret halten. Wer meldet eine vereiste Stelle? Welche Alternative gibt es an diesem Tag? Wer bekommt Bescheid, wenn das Pferd ungewöhnlich vorsichtig läuft? Ein kleiner gemeinsamer Plan hilft oft mehr als eine große Liste guter Vorsätze.

Fütterung: zum Pferd und zur Bewegung passend

Winter bedeutet nicht automatisch, dass jedes Pferd mehr Kraftfutter braucht. Der Energiebedarf hängt unter anderem von Arbeit, Körperzustand und Kältebelastung ab. Gleichzeitig kann die Bewegung abnehmen. Deshalb lohnt sich der Blick unter das Winterfell: Wie entwickeln sich Gewicht und Oberlinie? 3, 4

Übergewicht sollte beim Management von Arthrose mitbedacht werden. Ebenso wenig hilft es, wenn ein Pferd unbemerkt abbaut. Eine angemessene Versorgung und ein passender Körperzustand gehören zum Gesamtplan. Futteränderungen sollten sich an der tatsächlichen Ration orientieren. 2, 4

Für unser Gespräch würde ich alles zusammentragen: Raufutter, Weidezeit, Kraftfutter, Mineralfutter und sämtliche Ergänzungen, möglichst mit Mengen. Gerade wenn mehrere Produkte gefüttert werden, wird schnell unübersichtlich, was bereits abgedeckt ist. Diesen Überblick herzustellen, ist für mich ein sinnvoller Anfang.

Illustration zur Beobachtung von Körperzustand, Muskulatur und Verlauf.
Auch unter dem Winterfell lohnt sich der Blick auf Körperzustand und Muskulatur. Schematische Illustration.
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Warum uns dieses Thema auch persönlich berührt

Wenn Marc von Arthrose spricht, erzählt er nicht nur über ein Thema aus einem Fachbuch. Er hat selbst Arthrose in beiden Schultern. Es gab eine Zeit, in der er nicht einmal mehr eine Schublade aufziehen oder zuschieben konnte, ohne starke Schmerzen zu haben. Die Arme weit über den Kopf zu heben war kaum möglich. Dinge, über die man sonst gar nicht nachdenkt, wurden auf einmal zu einer schmerzhaften Hürde.

Seit er gezielt auf seine Omega-3-Versorgung achtet, beschreibt er seine Veränderung so: „Meine Schmerzen sind gefühlt zu 98 Prozent verschwunden. Ich kann mich wieder ganz normal bewegen und meinen Alltag ohne diese ständigen Einschränkungen leben.“ Inzwischen hebt er sogar seinen etwa 15 Kilogramm schweren Sattelwagen ohne Hilfe über den Kopf auf seinen Bundeswehrschrank – nach eigener Aussage ohne Schmerzen.

Für ihn bedeutet das ein großes Stück Lebensqualität. Es geht um die Freiheit, etwas tun zu können, ohne vorher schon auf den Schmerz zu warten. Genau deshalb liegt uns dieses Thema so am Herzen. Wenn man selbst erlebt hat, wie viel ein Alltag mit weniger Schmerzen verändert, möchte man auch für seine Tiere nach Möglichkeiten suchen, die ihnen das Leben leichter machen.

Aus dieser Erfahrung heraus sind wir überzeugt: Bei jedem Pferd mit Arthrose lohnt es sich, auch die Versorgung genauer anzuschauen. Gibt es dort etwas, das wir sinnvoll verbessern können? Wenn eine gezielte Omega-3-Ergänzung zum Pferd und seinem Behandlungsplan passt, ist es aus unserer Sicht einen Versuch wert, sie einzubeziehen und zu beobachten, ob sich das Wohlbefinden und die Beweglichkeit verbessern. Eine Besserung können wir nicht versprechen – aber wir finden, diese Möglichkeit verdient Aufmerksamkeit.

Und welchen Platz kann Omega-3 haben?

Die Frage finde ich berechtigt. Es gibt Untersuchungen an Pferden, die sich mit Omega-3 und gelenkbezogenen Entzündungsprozessen befassen. In einer kleinen Studie an arthritischen Pferden veränderten sich unter einer Omega-3-Ergänzung bestimmte Entzündungsmarker günstiger als in der Kontrollgruppe. Das ist ein interessanter Ansatz, aber kein Nachweis, dass ein beliebiges Öl Arthroseschmerzen zuverlässig beseitigt oder Knorpel wieder aufbaut. 5

Auch die übrige Forschung ergibt kein einfaches Erfolgsversprechen: In einer Untersuchung mit jungen Pferden im Training wurden nicht alle untersuchten Gelenkmarker durch die Ergänzung beeinflusst. Junge Trainingspferde sind zudem nicht dasselbe wie ältere Pferde mit klinischer Arthrose. 6

Deshalb würde ich Omega-3 als mögliche ernährungsphysiologische Ergänzung betrachten. Wir schauen auf die Zusammensetzung, die tatsächlich enthaltenen Fettsäuren, die Eignung der gesamten Rezeptur fürs Pferd und die übrige Ration. „Ein Öl ist ein Öl“ hilft bei dieser Entscheidung wenig. Eine individuelle Menge gehört ins persönliche Gespräch und muss gegebenenfalls mit der behandelnden Praxis abgestimmt werden.

Was ein Fettsäureprofil beitragen kann

Wenn wir gezielt über die Fettsäureversorgung sprechen, können passende Blutwerte zusätzliche Informationen liefern. Eine Studie an 50 gesunden Pferden zeigte, dass sich EPA- und DHA-Anteile im Vollblut nach einer entsprechenden Ergänzung veränderten. Untersucht wurde die Versorgung im Blut, nicht die Behandlung von Winterbeschwerden. 7

Ein Fettsäureprofil diagnostiziert keine Arthrose und misst nicht, wie stark ein Gelenk schmerzt. Es kann aber helfen, die Ausgangslage zu betrachten und später mit vergleichbarem Verfahren nachzusehen, wie sich die Versorgung entwickelt hat. Die Blutentnahme erfolgt durch den Tierarzt; die Einordnung braucht pferdegerechte Maßstäbe. Menschliche Zielwerte werden nicht einfach übernommen.

Bewegung, Haltung, Behandlung und Fütterung sollen zusammenpassen. Eine Ergänzung bekommt darin einen nachvollziehbaren Platz.

Gemalte Übersicht: Grundfutter, Bedarf prüfen, passend ergänzen.
Gezielte Ergänzungen werden in die vorhandene Fütterung eingeordnet.
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Ein Winterplan, der in Euren Alltag passt

Du brauchst dafür keinen perfekten Stall und auch keine zehn neuen Produkte. Ich würde mit wenigen Fragen anfangen: Ist die aktuelle Bewegung mit der behandelnden Praxis abgestimmt? Sind die Wege sicher? Passt die Fütterung? Und halten wir Veränderungen so fest, dass wir darüber sprechen können?

Kurze Notizen reichen für den Anfang. Wie waren die ersten Schritte? Gab es längere Stehzeiten oder einen anderen Boden? Was wurde verändert? Ein Verlauf ist hilfreicher als die Erinnerung an einen einzelnen guten oder schlechten Tag. Medikamente bitte nicht eigenständig ändern, weil es zwischendurch besser aussieht.

Wenn Du Dir für Dein Pferd einen klareren Überblick wünschst, schreib Marc und mir. Erzähl uns von Eurem Winteralltag, der bisherigen Fütterung und den bereits abgeklärten Gelenkproblemen. Gemeinsam können wir schauen, wo unsere Begleitung sinnvoll ansetzt und ob eine genauere Betrachtung der Fettsäureversorgung dazugehört. Damit Du mit Deinen Fragen nicht allein zwischen Stallgasse und Futterregal stehst.

Alle Bilder sind KI-generierte Illustrationen. Sie veranschaulichen die Themen und zeigen keine dokumentierten Behandlungsergebnisse.

◆ Wissenschaftlicher Hintergrund

Quellen und weiterführende Literatur

Dieser Beitrag ergänzt die tierärztliche Begleitung und ersetzt keine Untersuchung oder Behandlung. Bewegung und Belastung müssen zum Befund passen.

Studien zu Entzündungsmarkern und Blutwerten sind keine Garantie für Schmerzfreiheit oder Knorpelaufbau. Eine Beratung kann kostenpflichtige Analysen und Ergänzungen umfassen.

  1. Merck Veterinary Manual: Joint Disorders in Horses – Erkrankungen der Gelenke und individuelle Behandlung.

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  2. University of Minnesota Extension: Caring for your senior horse – Arthrosemanagement, Körperzustand und angepasste Bewegung.

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  3. University of Minnesota Extension: Caring for your horse in the winter – sichere Böden, Hufe, Wasser und Witterungsschutz.

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  4. Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other Equids – Fütterung nach Bedarf.

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  5. Manhart et al. (2009): Markers of Inflammation in Arthritic Horses Fed Omega-3 Fatty Acids – kleine Studie zu Entzündungsmarkern, kein pauschaler Wirksamkeitsnachweis für Öle.

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  6. Leatherwood et al. (2018): Effect of n-3 polyunsaturated fatty acids on markers of inflammation in young horses in training – nicht alle untersuchten Marker verändert.

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  7. Pearson et al. (2022): Dose-Dependent Increase in Whole Blood Omega-3 Fatty Acid Concentration in Horses Receiving a Marine-Based Fatty-Acid Supplement – Messstudie an gesunden Pferden.

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Persönlich weiterdenken

Wie sieht Euer Winteralltag aus?

Du möchtest Dein Pferd mit Arthrose auch bei Fütterung und Versorgung bewusst begleiten? Schreib Marc und mir, was bereits abgeklärt wurde und welche Fragen offen sind. Wir schauen gemeinsam, ob eine Beratung oder ein Fettsäureprofil zu Eurer Situation passt. Auch einen Impulsvortrag für Euren Stall, Verein oder Euer Praxisteam kannst Du hier anfragen.

Bitte keine Notfälle oder sensiblen Befunde über das Formular senden.

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