Von Marc Timmerherm · Lesezeit ca. 7 Minuten
Wenn Dein Pferd hustet, hörst Du irgendwann anders hin. War das jetzt nur einmal? Kommt es beim Antraben wieder? Warum braucht es heute so lange, bis die Atmung zur Ruhe kommt? Wer sich um ein Pferd mit Atemwegsproblemen kümmert, kennt wahrscheinlich dieses ständige Beobachten. Und die Frage, ob man noch etwas übersehen hat, obwohl man sich längst um Futter, Haltung und Behandlung kümmert.
Genau deshalb bin ich bei einem Beitrag über DHA und Asthma beim Pferd hängen geblieben. Omega-3 im Zusammenhang mit Entzündungen interessiert mich ohnehin. Aber Atmung? Da wollte ich genauer wissen, was dahintersteckt. Also habe ich mir die Originalstudie angesehen. Und ich finde: Das Thema verdient mehr als eine große Prozentzahl auf einem Bild.
Equines Asthma: Warum „ein bisschen Husten“ Aufmerksamkeit verdient
Equines Asthma beschreibt entzündliche Erkrankungen der unteren Atemwege mit unterschiedlichen Schweregraden. In älteren Veröffentlichungen begegnen Dir dafür häufig die Begriffe IAD und RAO. Leichtere Formen können durch gelegentlichen Husten oder nachlassende Leistungsbereitschaft auffallen; bei schweren Formen kann schon die Atmung in Ruhe deutlich erschwert sein. Husten allein beweist aber kein Asthma. Die Ursache gehört tierärztlich abgeklärt, gegebenenfalls mit einer Untersuchung der Atemwege und ihrer Zellen. Bei akuter Atemnot bitte sofort den Tierarzt rufen. [2]
Für mich ist das der Ausgangspunkt: Wir müssen verstehen, was mit diesem Pferd los ist. Erst dann lässt sich sinnvoll darüber sprechen, welche Unterstützung zusätzlich infrage kommt. Ein interessant klingender Futterzusatz beantwortet die Frage nach der Ursache noch nicht.

Die DHA-Studie: Was wurde tatsächlich untersucht?
Nogradi und Kollegen untersuchten in einer randomisierten, doppelblinden Studie Pferde mit chronischen Atemwegserkrankungen. 32 beendeten den Versuch. Alle erhielten acht Wochen lang staubarmes, pelletiertes Alleinfutter ohne Heu. Zusätzlich gab es Placebo oder ein Ergänzungsfutter mit täglich 1,5 beziehungsweise 3 Gramm DHA. Die beiden Ergänzungsgruppen wurden für die gemeinsame Auswertung zusammengefasst. [1]
| Untersuchter Wert | Mit Ergänzung | Mit Placebo |
|---|---|---|
| Verbesserung des Husten-Scores | 60 % | 33 % |
| Abnahme der gemessenen Atemarbeit | 48 % | 27 % |
| Neutrophile in der Atemwegsspülprobe | 23 → 9 % | 11 → 17 % |
Das sind Gruppenwerte, keine Heilungsquoten. Ein verbesserter Husten-Score bedeutet nicht 60 Prozent weniger gezählte Huster. Neutrophile sind Entzündungszellen; die Spülprobe stammt aus den tiefen Atemwegen, nicht aus einem Bluttest.
Wichtig: Das Präparat enthielt auch MSM und einen Pilzkomplex, die im Placebo ebenfalls fehlten. Der Effekt lässt sich daher nicht DHA allein zuschreiben. Die Untersuchung war klein und prüfte keinen direkten Vergleich zwischen EPA und DHA.
Wie schnell gab es Veränderungen?
In den wöchentlichen Besitzerbewertungen waren Veränderungen unter Ergänzung und Futterumstellung bereits innerhalb der ersten zwei Wochen erkennbar. Die größten Verbesserungen lagen beim Husten zwischen Woche zwei und fünf, bei der Atemanstrengung zwischen Woche fünf und sechs. Die Abschlussuntersuchung erfolgte nach acht Wochen. [1]
Für Dein Pferd ist das kein Kalender mit einem versprochenen Erfolgstermin. Ich würde daraus vor allem mitnehmen: Wer etwas verändert, sollte den Verlauf nachvollziehbar beobachten. Wann hustet das Pferd, unter welchen Bedingungen, wie entwickelt sich seine Belastbarkeit? Solche Notizen helfen beim Gespräch mit dem Tierarzt deutlich mehr als das Gefühl, dass es „irgendwie ein bisschen besser“ geworden ist.
Staubarme Haltung bleibt die Grundlage
Eine gute Idee im Futtertrog hilft wenig, wenn die Atemwege jeden Tag erneut belastet werden. Eine aktuelle Übersichtsarbeit betont deshalb die Bedeutung des gesamten Umfelds: Raufutter, Einstreu, Lüftung und Arbeiten wie Fegen oder Misten beeinflussen die eingeatmete Belastung. Auch ein Offenstall ist nicht automatisch staubarm, etwa wenn die Nase stundenlang in trockenem Heu steckt. Welche Raufutteraufbereitung und Haltungsanpassung passen, muss zum Pferd und zu seinen Auslösern passen. Die ausschließliche Pelletfütterung im Versuch ist keine pauschale Fütterungsempfehlung für zu Hause. [3]

Ich finde es hilfreich, dabei ganz praktisch zu werden: Wo hält mein Pferd seine Nase beim Fressen? Was passiert in seiner Nähe, während der Stall gemacht wird? Wie sieht das Futter wirklich aus? Das sind keine spektakulären Fragen. Aber sie führen zu Dingen, die sich im Alltag konkret überprüfen lassen. Fütterung und tierärztliche Behandlung sollten dabei zusammenpassen; Medikamente werden nicht wegen eines Artikels eigenständig verändert.
EPA oder DHA – ist bei Entzündungen nicht EPA interessanter?
Die Frage ist berechtigt. EPA ist an Stoffwechselwegen beteiligt, aus denen entzündungsbezogene Botenstoffe entstehen. DHA ist ebenfalls mehr als ein Baustein für Gehirn und Nervensystem: Beide beeinflussen Zellmembranen und können Ausgangsstoffe für Mediatoren sein, die an der Begrenzung und Auflösung von Entzündungen mitwirken. Die Grundlagenforschung liefert dafür plausible Erklärungen. Sie beweist allerdings noch keine bestimmte Wirkung bei einem einzelnen Asthmapferd. [4]
Ich würde deshalb aus dieser Diskussion keinen Wettbewerb zwischen zwei Fettsäuren machen. Mich interessiert, welche Frage eine Untersuchung wirklich beantwortet und was wir daraus für die Versorgung eines Pferdes lernen können. Wer bei Omega-3 bisher vor allem an Leinöl oder Leinsamen denkt, findet den Unterschied zwischen pflanzlichem ALA und EPA beziehungsweise DHA ausführlicher in unserem Beitrag über Omega-3 in der Pferdefütterung.
Was verrät das Fettsäureprofil über Dein Pferd?
Du kümmerst Dich um staubarmes Futter, lässt Dein Pferd tierärztlich begleiten, inhalierst vielleicht regelmäßig und passt Bewegung und Training an seine Belastbarkeit an. Und trotzdem bleibt die Frage: Kann ich über die Ernährung noch gezielter unterstützen? Genau an dieser Stelle finde ich ein Fettsäureprofil interessant. Es macht sichtbar, wie EPA, DHA und andere Fettsäuren im Blut Deines Pferdes vertreten sind. Damit haben wir eine konkrete Grundlage, um über seine Versorgung zu sprechen.
Wie hoch ist der DHA-Anteil? Wie sieht es mit EPA aus? In welchem Verhältnis stehen die gemessenen Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren zueinander? Diese Werte schauen wir uns gemeinsam mit der bisherigen Fütterung an. So können wir besser einordnen, ob eine Anpassung der Ration sinnvoll erscheint und worauf wir dabei achten sollten. Bei einer späteren Kontrolle mit vergleichbarem Messverfahren lässt sich außerdem nachvollziehen, wie sich die Blutwerte nach einer Fütterungsänderung entwickelt haben.
Dass solche Veränderungen messbar sind, zeigt eine Untersuchung an 50 gesunden Pferden: Nach gezielter Zufuhr stiegen die EPA- und DHA-Anteile im Vollblut an. Gemessen wurde nach sechs und zwölf Wochen. [5] Für mich liegt darin ein praktischer Vorteil: Wir müssen die Wirkung einer Fütterungsänderung auf das Fettsäureprofil nicht allein anhand der Angaben auf dem Futtereimer einschätzen.
Wie sieht die EPA- und DHA-Versorgung Deines Pferdes tatsächlich aus? Ein Fettsäureprofil gibt Dir einen Blick auf seine Blutwerte – und uns eine Grundlage, um die Ernährung gezielter auf Dein Pferd abzustimmen. Ergänzend zu tierärztlicher Betreuung, Inhalation und angepasstem Training können wir so auch die ernährungsphysiologische Seite seiner Begleitung bewusst mit einbeziehen.
Genau diese ergänzende Perspektive macht die Asthma-Studie für mich so spannend: Sie gibt einen Anhaltspunkt dafür, dass die Fütterung über das Staubmanagement hinaus einen Beitrag leisten könnte. Ein Profil kann helfen, die Ausgangslage Deines Pferdes zu verstehen und Veränderungen seiner Fettsäureversorgung zu verfolgen. Es diagnostiziert kein Asthma und garantiert nicht die Verbesserungen aus der Studie; untersucht wurde dort ein Ergänzungsfutter zusammen mit staubarmer Fütterung, kein durch Bluttests gesteuertes Behandlungskonzept.
Die Einordnung gehört für mich deshalb immer dazu. Wir betrachten EPA, DHA und die übrigen Werte im Zusammenhang mit dem Pferd, seiner Ration und dem verwendeten Messverfahren. Menschliche Zielbereiche werden dabei nicht einfach auf Pferde übertragen. Auch zusätzliche berechnete Kennzahlen eines Laborberichts sind ergänzende Orientierung und keine eigenständige Diagnose.

Was ich aus dieser Studie mitnehme
Mich macht sie neugierig. Gerade weil Pferdegesundheit selten auf eine einzige Stellschraube reduziert werden kann. Wer ein hustendes Pferd begleitet, braucht weder ein neues Wundermittel noch das Gefühl, bisher alles falsch gemacht zu haben. Er braucht eine verständliche Einordnung und einen Plan, der im Alltag umsetzbar ist.
Für mich gehört dazu, die Atemwege tierärztlich abklären zu lassen, die Belastungen im Umfeld ernst zu nehmen und die Fütterung genauer anzusehen. Ein Fettsäureprofil kann diesen Blick um konkrete EPA- und DHA-Werte ergänzen. Unser Grundsatz auf der Timmerherm Ranch bleibt deshalb: Messen statt Raten. Die Ausgangslage verstehen, die Fütterung gezielt besprechen und nachvollziehen, was sich verändert – damit Du Dein Pferd auch ernährungsphysiologisch bewusst begleiten kannst.

